EU-VAT, EU-VAT MOSS,  EU-Was bitte???

Bisher waren wir es gewohnt als Anbieter die gängige Umsatzsteuer unseres Landes dem Kunden zu berechnen. Nun dreht sich der Spieß um, seit Januar 2015 muss bei digital übermittelten Leistungen die Umsatzsteuer des EU-Herkunftslandes berechnet werden. Ja genau! 28 EU-Länder und 81 Umsatzsteuersätze. Chaos pur, wenn man an die Handhabarkeit aus Einzelunternehmersicht denkt.

Die Intention dieser EU Umsatzsteuer

Ausgerichtet ist diese Rahmengesetzgebung in besonderem Maße auf Konzerne, die sich bisher in Niedrigsteueroasen ansiedelten, um hohe Umsatzsteuerabgaben zu umgehen.

Jedoch hat dieses neue europäische Umsatzsteuergesetz eine Bedeutung für alle Unternehmen, die mit in der EU ansässigen Konsumenten Handel betreiben (B2C) und auf elektronischem Wege Leistungen erbringen.

So sinnvoll der Grundgedanke einerseits ist, stellt er andere vor unüberwindbare Hürden.

Die EU ging 2007 davon aus, dass dieses Gesetz Klein- und Einzelunternehmen mit einem Umsatz unterhalb von 100.000 Euro nicht treffen würde. Man nahm an, dass diese nicht direkt an Konsumenten verkaufen würden, sondern nur über Drittanbieter im Markt vertreten seien. Das ist aus heutiger Sicht weit gefehlt!

Wie kann es rechtlich überhaupt sein, dass ein anderes Land Unternehmen steuerlich belangen kann?

Das ist der Punkt, warum viele nach wie vor die Gültigkeit der EU VAT Steuerregelung in Fragen stellen und anzweifeln. Doch Fakt ist:

  1. Es is ein Gesetz welches seit 2007 innerhalb der EU abgestimmt und beschlossen wurde. Somit haben alle EU Länder zugestimmt.

  2. Durch internationale Handelsverträge haben auch Länder außerhalb der EU dem zugestimmt. Daher die weltweite Gültigkeit.

Wen betrifft die EU VAT Steuergesetzgebung?

Alle! Zumindest alle Unternehmen weltweit, die elektronische Produkte und Dienstleistungen and Konsumenten in EU-Ländern vertreiben.

Welche elektronischen Services & Produkte fallen darunter?
  • PDF-Downloads
  • E-Books
  • Online-Kurse (automatisiert)
  • Apps
  • Webseitenhosting
  • Bereitsstellung von Stock-Fotos
  • Bereitstellung von Anleitungen & Vorlagen
  • weitere Downloadprodukte wie z.B. Mp3’s etc.
Was bedeutet das für die Umsetzung?

Es gibt im wesentlichen zwei Möglichkeiten.

  1. Man registriert sich für die Umsatzsteuerabgabe in den jeweiligen EU Ländern in man Kundenbeziehungen pflegt und führt dort die jeweilige Umsatzsteuer mit dem entsprechenden Steuersatz ab.

  2. Man registriert sich für die Sonderregelung VAT MOSS (mini One Stop Shop) bei den Finanzbehörden des eigenen Landes (innerhalb der der EU) und führt dorthin die Umsatzsteuer ab. Von dort wird die Umsatzsteuer dann an das jeweilige Empfängerland weitergeleitet. Dieses Verfahrung ist eine Vereinfachung, da man sich nicht in jedem Land einzeln registrieren muss. Unternehmen außerhalb der EU können sich in einem EU-Mitgliedsstaat ihrer Wahl für das VAT MOSS Verfahren anmelden.

In jedem Fall sind die Rechtsvorschriften des jeweiligen Landes zu beachten, da der Ort der elektronischen Dienstleistung im Ausland liegt. Ebenso sind die jeweils gültigen Umsatzsteuersätze und Vorschriften zur Rechnungslegung zu beachten. Eine Liste mit den Steuersätzen der EU-Mitgliedsstaaten findet sich hier.

Was genau ist relevant um den Anforderungen zu entsprechen?
  • Ortsbestimmung des Kunden anhand zweier sich nicht widersprechender Angaben, sonst wird eine weitere dritte Angabe benötigt (Anschrift, IP-Adresse, Land der Kreditkartenbank )
  • Anwendung der Vorschriften zur Rechnungslegung des jeweiligen Landes
  • Anwendung der korrekten Mehrwertsteuersätze
  • Sichere Speicherung der Kundendaten für 10 Jahre
  • Quartalsweise Anmeldung der Umsatzsteuer über MOSS oder entsprechend der Regelung des jeweiligen EU-Mitgliedsstaates in dem man sich angemeldet hat
  • Dies erfolgt zusätzlich zur bisherigen Mehrwersteuererklärung im eigenen Land.